AKTUELLES > 29.05.2011

Mittelalterliches Treiben am Schlossberg

Familienzeltlager 2011

Am letzten Wochenende des Wonnemonats Mai zogen die Lichtenberger Burgfreunde hoch auf den Schlossberg und verspeisten dort die Wildsau, die Pfarrer Siegfried Welsch geschossen hatte. In der alten Scheune gegenüber des Burgturms waren in langen Reihen die Tische aufgebaut, an denen die gewandeten Burgfreunde saßen und sich mit bloßen Fingern an dem Wildbret bedienten, ganz so, wie es im Mittelalter guter Brauch gewesen ist.

Damit die Dinge nicht außer Rand und Band gerieten - schließlich floss auch Reben- und Gerstensaft in Strömen -- verlas Stefan Eckardt, der Vorsitzende der Burgfreunde, ganz zu Beginn mit donnernder Stimme die Tischregeln. Da konnte einem angst und bange werden! Streng verboten zum Beispiel war es, „mit Keulen, Knochen oder anderen Kaldaunen zu werfen“, oder auch die Hände nicht zu lassen von den „holden Jungfrauen und Mägden“. Der Barde Rathimer Theodorius Disphonicus -- wer Latein kann, weiß, dass Disphonicus „der Missklingende“ heißt - sorgte unter den 80 versammelten Burgfreunden für beste Stimmung. Sein launiger Humor, der auch vor Späßen derbster Art nicht zurückschreckte, erregte Lachsalven, die die Scheune zum Wackeln brachte. Bis in den frühen Morgen hinein wurde von den Burgfreunden gezecht. Da werden sich die alten Gespenster, die in den Kellern der Burg hausen, gefreut haben!

Das mittelalterliche Treiben aber hatte danach kein Ende, sondern fand schon am nächsten Tag seine Fortsetzung: Die Burgfreunde hatten mitten auf dem Burgplatz ein Zeltlager aufgebaut, in dem sie das Wochenende verbringen wollten. Autos waren vom Schlossberg verbannt, so dass man sich unter all den Gewandeten tatsächlich wie im Mittelalter fühlen konnte. Das Zeltlager, das in ähnlicher Form schon seit mehreren Jahren um diese Zeit statt findet, war dem jugendlichen Nachwuchs des Burgvereins gewidmet. Dem entsprechend gab es Bogenschießen, Zweikämpfe, bei denen man mit gestopften Säcken aufeinander los ging oder auch ein Federspiel, das nur gewinnen konnte, wer die nötige Geschicklichkeit besaß. Wer es ruhiger liebte, konnte sich von Juliane Engelhardt im „Brettchenweben“ anweisen lassen, einer Webtechnik, die vor allem zum Erstellen von Bordüren und Textilbändern verwendet wurde. Ihre Ursprünge gehen bis in die Bronzezeit zurück; immer wieder finden sich in alten, vorchristlichen Gräbern die typisch rechteckigen Brettchen.

Wie Gewänder und Zelte mussten die Speisen natürlich auch mittelalterlich sein. Also hatte man über dem Lagerfeuer in einem großen, schwarz berußten Kessel einen Hühnereintopf zubereitet, in dem die Reste des Festschmauses vom Abend vorher verarbeitet wurden. In großer Runde hatte man die nötigen Zutaten klein geschnitten, wie ja überhaupt das Schöne an einem solchen Lagerleben die Gemeinschaftlichkeit ist. Erst lange nach Mitternacht kehrte Ruhe in den Zelten am Schlossberg ein. Den Abschluss bildeten am nächsten Tag Klöß und Schwammerlbrüh des bekannten Lichtenberger Gastronomen Richard Lentz. Auch er kochte über dem Lagerfeuer; was ein echter Mittelalterfan ist, lässt sich von den „primitiven“ Garmethoden der damaligen Zeit nicht abschrecken.

Bestes Zeichen dafür, wie vital der Lichtenberger Burgverein ist, war das Engagement der Mitglieder, als es nach dem Zeltlager wieder an den Abbau ging: Innerhalb von wenigen Stunden waren die bunten mittelalterlichen Zelte verschwunden, ganz nach dem Motto „viele Hände, schnelles Ende“. Doch nach dem Fest ist immer vor dem Fest. Jetzt, wo das Zeltlager statt gefunden hatten, richtet sich die Aufmerksamkeit des Vereins ganz auf das Burgfest, den Höhepunkt des Vereinsjahres. Am 10. und 11. September wird es dann wieder soweit sein: Lichtenberg, das romantische Bergstädtchen im Frankenwald, wird sich zurückverwandeln in die Zeit, da noch Ritter und Bauersleut durch seine engen Gassen gingen.
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