AKTUELLES > 09.09.2007

Von Schweinewetter und Burgkellern

7. Burgfest - der Bericht

Jedes Jahr lautet die Frage wieder: wird´s klappen, werden die Leute kommen, wird sich all die Mühe lohnen, die der Verein der Burgfreunde jetzt schon seit Monaten investiert?

Das Wetter sieht heuer jedenfalls nicht danach aus. Auch wenn die hiesigen Frankenwäldler nicht so leicht abzuschrecken sind - bei Nieselregen und Temperaturen unter zehn Grad wird sich kaum einer von ihnen außer Haus begeben. Von den Nürnbergern, den Berlinern, den Frankfurtern und Kölnern, die seit Jahren treue Gäste sind, ganz zu schweigen: wer macht sich bei einem solchen Schweinewetter schon auf den Weg, um ein Burgfest im nördlichen Eck Bayerns zu besuchen?

Aber dann geschieht das Wunder. Obwohl die Temperatur noch weiter gefallen und der Nieselregen inzwischen in einen Dauerregen übergegangen ist, strömen die Leute hinzu. "Im Mittelalter hat es doch auch geregnet", sagt eine Besucherin mit norddeutschem Akzent. Da hat sie nicht ganz unrecht.

Und tatsächlich: der Regendunst, der sich auf die gepflasterten Gassen gelegt hat, gibt dem Fest ein besonderes Flair. Fast mystisch ragen jetzt die alten Burgmauern über den Marktständen auf. Ein wenig unheimlich ist es in den Seitengassen, wenn einem da schwer Gerüstete im Zwielicht entgegenkommen. So erhält man eine Ahnung davon, wie sich die braven Bauern und Bürger angesichts eines solchen Söldners früher gefühlt haben...

"Was ist denn das Erfolgsgeheimnis des Lichtenberger Burgfests?", wollen Fernsehen und Presse später wissen. Es ist vor allem die Authentizität. Da das Fest nicht auf Kommerz ausgerichtet ist, sondern alleine darauf, die Burgruine zu erhalten, unterscheidet sich seine Athmosphäre deutlich von so manch anderer Veranstaltung, in der nervös auf den Taler gesehen wird. In Lichtenberg macht das ganze Städtchen mit, um ein Wochenende auf die Beine zu stellen, in dem der Besucher ganz ins Mittelalter abtauchen kann. Das fängt mit den selbstgeschneiderten Gewändern an und hört bei den verschiedenen örtlichen Handwerksbetrieben nicht auf, die ihre Stände und Geräte nach alten Vorbildern konstruiert haben. So konnte man zum Beispiel einem Tischlermeister bei der Arbeit zusehen, der sich an vielen Wochenende eine Drechselmaschine gebaut hatte, wie sie auch im Mittelalter üblich war.

Wo man zusammenkommt, nicht um Geld zu verdienen, sondern in erster Linie, um zu feiern, da steigt die Stimmung je höher, desto später der Abend wird. Die Musiker von Dopo Domani, die schon seit zwanzig Jahren im Geschäft sind, hatten so etwas in ihrer ganzen Laufbahn noch nicht erlebt: in den alten Burgkellern war nach Mitternacht die Hölle los, es wurde bis in den frühen Morgen auf den Tischen getanzt.

Da fragt man sich: wenn in Lichtenberg bei Kälte und Regen so gefeiert wird, was ist hier dann erst los, wenn die Sonne scheint?